Innovation
Flechten sind eine sich selbst erhaltende Symbiose zwischen Pilzen und Algen: eine biologische Partnerschaft, die seit über 400 Millionen Jahren besteht. Diese Zusammenarbeit ermöglicht es Flechten, dort zu überleben, wo fast nichts anderes überleben kann – auf nacktem Fels, in Wüsten, in der Antarktis und sogar unter den vakuumähnlichen Bedingungen des Weltraums.
Resilienz ist Teil ihrer Biologie.
Flechten sind chemisch hochentwickelt. Sie produzieren Hunderte von Sekundärmetaboliten, von denen viele eine nachgewiesene antibakterielle, antivirale und zytotoxische Wirkung haben. Sie nehmen Mineralien direkt aus der Atmosphäre auf und fungieren als einer der zuverlässigsten Bioindikatoren der Welt, indem sie sichtbar machen, was sonst unsichtbar bleibt: den Gesundheitszustand eines Ökosystems.
Ernährungsphysiologisch bieten Flechten mehr als nur Überleben. Je nach Art enthalten sie komplexe Kohlenhydrate, Eisen und Vitamine, darunter B12 und D. Diese Kohlenhydrate sind wichtig. Das menschliche Gehirn ist in erster Linie auf Glukose als Energiequelle angewiesen; Eiweiß allein reicht nicht aus, um die kognitiven Funktionen aufrechtzuerhalten. Flechten enthalten zudem Bitterstoffe – Moleküle, die trotz ihrer Rolle bei der Verdauung und der Stoffwechselregulation systematisch aus der modernen Ernährung entfernt werden.
Auch ihre große Verbreitung wird oft übersehen.
Flechten machen etwa sieben Prozent der terrestrischen Biomasse der Erde aus. Auf den Menschen entfallen etwa 0,01 Prozent. Die einen gelten als primitiv. Die anderen halten sich für fortschrittlich.
Der Geschmack der Flechten
Wie schmeckt eine Flechte? Zu dieser Frage haben wir Verkostungen veranstaltet, bei der wir Geschmacksprofile von fünf Flechtenarten erstellen konnten.